Spitzbergen – Leinen los – mit der „Noorderlicht“

Reisebericht von: Gabriela Rück|22.10.2013|

16 Tage Expeditions-Segelkreuzfahrt – 28.07.- 12.08.2013

Leinen los – mit dem 2-Master „Noorderlicht“ auf 78° 33,9 N I 19° 14,9 0
Unser Abenteuer beginnt am 27. Juli 2013 am frühen Morgen mit dem Flug von Düsseldorf nach Oslo. Mein Mann und ich sind unterwegs in die Arktis, ein Jahr Vorfreude und nun steigt die Spannung auf ein Erlebnis Natur pur.

Nach einem längeren Aufenthalt am Flughafen in Norwegens Hauptstadt, den wir zum wiederholten Lesen der Reiseunterlagen nutzen, starten wir am späten Nachmittag mit einer kleinen Maschine zu unserem Ziel: SVALBARD (so heißt die gesamte Inselwelt von Spitzbergen). Noch ein kurzer Zwischenstop in Tromso, Zollkontrolle weil Svalbad nicht dem Schengen-Abkommen beigetreten ist und dann, nach einer Stunde Flug über offenes Meer, liegt die arktische Wüste unter uns.

Die Eiszeit ist auf Svalbard eigentlich noch nicht vorbei, mehr als 60 % des Landes ist noch immer von einer Eisglasur bedeckt, die frei ungehemmt zwischen steilen Felsspitzen und abgerundeten Bergkuppen fließt. 2100 verschiedene Gletscher, wir genießen die Aussicht an unseren Fensterplätzen und ein Blick auf die Uhr zeigt uns die unglaubliche Nacht- oder ist es Tagzeit an: 21 Uhr!

Blauer Himmel, Sonnenschein – es ist taghell und dieses Phänomen wird uns die nächsten 15 Tage nicht mehr verlassen. Die Landung in Longyearbyen, der Hauptstadt von Svalbard, erfolgt auf eisfreier Piste und nach der raschen Gepäckausgabe sind wir mit dem Flughafenbus in unser Guesthouse unterwegs. Bunte Holzhäuser liegen verstreut neben der einzigen geteerten Straße. Der Schnee liegt nur auf den spitzen Bergkuppen, hier unten bildet die Tundra mit ihren vielen kleinen Blumen (Wollgras, Steinbrech und zahlreichen Moosarten und Flechten) einen dichten Teppich.

Obwohl wir fast 24 Stunden unterwegs sind ist es uns nicht möglich, einzuschlafen. Ein Blick aus dem Fenster und wir fühlen uns um Mitternacht wie im falschen Film: Sonnenschein pur. Irgendwann klappt es dann doch mit dem Schlafen und der Morgen ist so, wie Abend aufgehört hat: Sonnenschein, 8.

Den Tag haben wir zur freien Verfügung und um 17 Uhr sollen wir an Bord kommen. Die 1910 erbaute Noorderlicht fährt unter holländischer Flagge und liegt mit ihren 46 m Länge in voller Pracht als einziges Segelschiff im kleinen Hafen. An Bord sind wir 20 Passagiere (Deutsche, Holländer, Engländer und ein Israeli). Die Crew besteht aus dem Skipper, 1. Offizier (Svenja aus Hamburg), 2. Offizier, einem Koch und unserem Guide Robin aus Norwegen. Die Bordsprache ist Englisch.

Nachdem wir unsere Kajüte, sie war tatsächlich nur 2×2 m groß, belegt hatten, erhielten wir sogleich eine Bordeinweisung und Verhaltensregeln, die bei unserer Tour zu beachten sind. Am selben Abend laufen wir aus und unsere Reise rund um Spitzbergen kann beginnen.

Unsere Route führt um die südliche Spitze bei Windstärke 8,4 über das offene Meer auf die Insel Edgeoya, weiter nach Barentsoya und dann wieder nach Spitzbergen an die Ostküste. Tägliche Auslandungen mit dem Zodiak und Wanderungen in der Tundra und an der Küste entlang haben uns bereits eindrucksvolle Begegnungen mit der arktischen Tierwelt beschert. Nun sind wir am 3. August um 16 Uhr am Negribreen-Gletscher, in dessen Nähe sich die Temperatur an Deck merklich den Minusgraden nähert. Langsam fahren wir an der 13 km langen, 25-30 m hohen Eiswand entlang. Im tiefdunklen Wasser treiben in allen Blaufarben schimmernde Eisbrocken, die knirschend unseren Schiffsrumpf streifen. Jetzt ist die Zeit für die „Rhein-Neckar-Zentrum-Aktuell“-Zeitung gekommen und ich freue mich, allen Freunden und Bekannten und den Lesern der Zeitung zu Hause von 78° 33,9 N I 19 ° 14,9 0 einen kühlen Eisberggruß zu schicken. Als dann kurz danach auch noch ein gewaltiges Eisstück aus der Wand abbricht und unser Boot ordentlich zum Schaukeln bringt, da bin ich froh, dass wir das Foto gemacht haben.

Weiter geht die Reise durch die Hinlopenstretet hoch bis zur Insel Moffen und dann an der Westküste über Ny-Alesund (mit dem nördlichsten Postamt der Welt) hinunter durch den Forlandsundet nach Longyearbyen zurück. Nach 918 Seemeilen= 1.670,76 km ist am 12. August 2013 unsere Reise zu Ende. Eindrücke, die wir nie wieder vergessen werden, von einer einzigarten Tierwelt, die uns großartige Begegnungen mit Walen, Rentieren, Walrossen, Polarfüchsen, Vögeln und 13 Eisbären in ihrem natürlichen Lebensraum bescherten, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Gabriela Rück

2019-10-08T14:12:29+01:00
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